Erwartungen oder die Möhren unseres Lebens

Erwartungen oder die Möhren in unserem Leben

Achtsamkeit und Erwartungen? Wie hängt das denn zusammen?

Wenn Du Lust hast, mache einmal diese einfache Mikro-Übung zum Wahrnehmen deiner Gedanken. Jetzt.

Welche Erwartung ist gerade in dir wach, wenn du beginnst, diesen Blog zu lesen? Halte kurz inne und nimm wahr, was sich meldet.

Vielleicht versprichst du dir eine Lösung für dein Problem, suchst nach Verständnis oder Bestätigung oder möchtest einfach deine Neugier befriedigen. Vielleicht auch etwas ganz anderes.

Oft erwarten wir so viele Dinge von uns selbst und unserem Umfeld, dass einem da ganz schwindelig werden kann. Diese Muster sind uns meist nicht einmal bewusst.

Nehmen wir einmal das Beispiel meines Nachbarn. Als mein Mann und ich in unsere neue Wohnung einzogen, sahen wir auf der Fußmatte eines Nachbarn die Bild-Zeitung liegen. Sofort bildeten wir uns eine Meinung (Achtung, bewusstes Wortspiel ;-)). Diese Nachbarn sind wohl eher oberflächlich und neugierig mit Betonung auf „gierig“. Das hat sofort eine Zurückhaltung in mir als Reaktion hervorgerufen. Bloß nicht zu viel Kontakt oder zu viel preisgeben. Was ist das für eine Haltung? Wie fühlt sich die im Körper an? Wohl eher eng und verschlossen. Glücklicherweise ist meine Erwartung nicht erfüllt worden.

Nein, die Zeitung hat er nicht abbestellt, aber er und seine Frau sind sehr zugewandt, hilfsbereit und gar nicht aufdringlich.

 

Manchmal beruhen unsere Erwartungen auf gemachten Erfahrungen, manchmal aber auch nicht.

Ich kenne gar keinen weiteren Bild-Abonnementen und weiß gar nicht, wie sie üblicherweise sind. Jetzt habe ich so eine Art kognitive Dissonanz, mit der ich einen Umgang finden darf. Auch das ist manchmal ja auch ganz hilfreich. 😉

Ich bin im ersten Impuls einer unbewussten Assoziationskette gefolgt und habe mir in Gedanken ein Bild geschaffen, das eine innere Haltung hervorgerufen hat. Diese Gedanken stimmten nicht mit der Realität überein. Das ist übrigens ein gern genommenes Spielchen unseres Gehirns – eigene Filme im Kopf zu produzieren.

Es ist also superhilfreich zu bemerken, ob Erwartungen gerade da sind und worin sie ihren Ursprung haben. Dafür dürfen wir gern ein wenig Detektiv:In spielen.

 

Wo hast du Erwartungen an dich oder an dein Umfeld?

Alles beginnt erst einmal mit einer Art Bestandsaufnahme. Vieles läuft täglich ganz automatisch und unbewusst ab. Dann wissen wir oft gar nicht, warum wir plötzlich so frustriert, überrascht, enttäuscht, erfreut, froh, ängstlich, ärgerlich oder aufgewühlt sind. Erwartungen können Auslöser für unsere Gefühlsachterbahnen sein.

Ich nenne hier einfach mal ein paar Beispiele. Vielleicht findest du dich darin wieder oder erstellst gleich mal deine eigene Erwartungsliste. Dann ist es vielleicht erhellend für dich, wenn du hinter die Erwartung schreibst, ob sie erfüllt wurde oder nicht und wie du dich danach gefühlt hast.

 

Erwartungen….

  • …, wie eine Banane/ein Apfel/eine Tomate/eine Gurke (nimm ein anderes Lebensmittel deiner Wahl) zu schmecken hat.
  • …, dass Bus und Bahn pünktlich sind.
  • …, wie ein Projekt in Deinem Job laufen soll.
  • …, dass dein Partner/deine Partnerin natürlich diese Sache ebenso wichtig erachtet wie du.
  • …, wie die Kolleg:Innen und die Führungsmannschaft agieren sollen.
  • …, dass auf den Winter der Frühling kommt (bis spätestens Anfang März natürlich).
  • …, dass man dir hilft.
  • …, dass ohne dich nichts läuft.
  • …, die du erfüllst, weil es deine Eltern so wollten.
  • …, dass deine Anstrengungen im Leben natürlich zum Erfolg führen werden (wie auch immer du den für dich definiert hast).

 

Gaspedal oder Bremse?

Erwartungen können sowohl hilfreich als auch hinderlich sein. Auch diese Forschungsreise ist es wert anzutreten, wie ich finde. Dann bekommst du raus, wie du dir manchmal selbst im Weg stehst mit deinen Erwartungen. Sie sind ja nicht grundsätzlich falsch, sie können auch höchst motivierend für etwas sein.

Sie können z. B. unterstützen, deine Ziele zu erreichen und mehr Gas zu geben auf dem Weg dorthin. Sie können jedoch auch hinderlich sein, wenn du z. B. gelassener werden oder etwas Neues lernen möchtest. Erwartungen können sogar den Raum eng machen für Begegnungen. Wie könnte die eine oder andere Begegnung aussehen, wenn wir einmal keine Erwartung an sie hätten, also ergebnisoffen herangehen? Wie verändert das die Situation? Wenn du magst, spiel einfach mal mit diesen Gedanken.

Ich finde an dieser Stelle besonders erwähnenswert, dass Erwartungen sich sehr oft erfüllen. Warum? Weil unsere Wahrnehmung dann so eng wird, dass wir nur das sehen, was wir erkennen und uns bereits vertraut ist. Alles andere blenden wir dann aus. Mit etwas Übung können wir unsere Wahrnehmung verfeinern und unseren Horizont erweitern. Das gibt sehr viel mehr Bewegungsfreiheit im Geist.

 

Wahrnehmungsübung für mehr Weite im Kopf

Halte inne und lenke den Fokus auf deinen Atem oder einen bestimmten Teil deines Körpers. Bleibe für die nächsten drei bis fünf Atemzüge bei dieser Wahrnehmung.

Dann lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen Kopf. Begib dich unter die Schädeldecke in das Innere deines Kopfes und schau an, ob da gerade ein Film abläuft, ob du Bilder sehen kannst. Manchmal ist es auch eine Reihe von Worten oder ganzen Sätzen. Verändere nichts, sondern schaue nur zu.

Vielleicht bemerkst du, dass du über eine vergangene Situation urteilst oder in der Planung eines zukünftigen Ereignisses bist. Hattest du Erwartungen an das Vergangene oder stellst du welche an die Zukünftige?

Wenn dem so ist, dann gib ihnen einen Namen. Z. B. „Ich erwarte mehr Unterstützung in dem Projekt.“ Oder „Ich hatte erwartet, dass mir meine Freundin/mein Freund mit mehr Empathie begegnet.“ Oder „Ich möchte, dass alle Familienmitglieder ihren Beitrag zum Haushalt bringen.“ Spüre nach, was sich verändert, wenn du es klar benennst. Oft ist dies der erste Schritt, um etwas mehr Weite zu spüren. Jetzt ist es ausgesprochen.

Wenn du magst, frage dich in einem weiteren Schritt, was dir in dieser oder jener Situation guttun würde. Wie du mit mehr Offenheit und Freundlichkeit sein kannst und so vielleicht anderes passieren darf, als die sich ewig wiederholende Dauerschleife.

Wende dich zum Abschluss noch einmal deinem Atem oder dem Körper zu und beende diese Selbstreflexion in deinem Tempo.

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