Waldbaden

Waldbaden oder riechst du auch, was ich fühle?

Welches Bild hast du vor Augen, wenn du an Wald denkst? Oder ist es eher ein Geruch, eine bestimmte Stimmung oder Erinnerung?

Für diesen Blog bin ich tief eingetaucht – in den Wald. Dort kann ich nämlich nicht nur frische Luft tanken und abschalten, sondern es fliegt mich immer eine wunderbar intensive Kreativität an, wenn ich mich dort aufhalte.

In Deutschland können wir uns glücklich schätzen, denn wir haben ca. ein Drittel der Gesamtfläche mit Wald bedeckt. Umgerechnet stehen in Deutschlands Wäldern über 1.000 Bäume pro Einwohner (Quelle: https://www.forstwirtschaft-in-deutschland.de/waelder-entdecken/waldflaeche/)

Wir nutzen den Wald natürlich forstwirtschaftlich, aber auch für Abenteuer (Kletterpark, Baumkronenpfade wie z. B. im Nationalpark Hainich), Urlaub und Erholung. Die Japaner haben bereits in den 80er Jahren das „Shinrin-yoku“ ins Leben gerufen, was frei übersetzt so viel wie „Waldbaden“ heißt. Eigentlich war es zunächst eine clevere Marketingkampagne des Staates, um die Bürger wieder mehr in die Natur zu locken und ihnen Erholung nahezulegen. Die waren nämlich mehr und mehr gestresst durch zunehmenden Stress und Digitalisierung. Kommt dir das bekannt vor? Heute gehört die achtsame Auszeit im Wald für Japaner und Koreaner zum Standard in der Gesundheitsprävention. Eine Menge Forschungen zu dessen Wirksamkeit sind an Japans Universitäten dazu gemacht worden.

Was bietet uns der Wald, dass wir Menschen uns dort so wohlfühlen, so aufgehoben und sehr erfrischt, wenn wir nach einem Aufenthalt von dort wieder in den Alltag kommen?

  • Frische Luft

Die Bäume sind riesige Filteranlagen und gerade Stadtmenschen bemerken den Unterschied, wenn sie aus der Stadtluft in eine klare Luft kommen. Die ist dann nicht mit Auto-Abgasen, Essensgerüchen und Industrieabluft belastet. Stattdessen riecht man, je nach Jahreszeit, ganz unterschiedliche Dinge: jetzt, im Herbst, sind es die Pilze und das Laub, im Winter die klare, manchmal schneeverhangene Luft, im Frühjahr das erste Grün und die aus dem Boden sprießende Lebendigkeit, im Sommer die volle Blütenpracht der Natur.

Unsere Lungen mögen frische Luft und der darin enthaltene Sauerstoff versorgt unsere Zellen, damit sie ihre Arbeit tun können. Die Waldluft lädt ein durchzuatmen und tiefe Atemzüge verbessern unseren Stoffwechsel. Wenn du übrigens ein wenig länger ausatmest, als einatmest, dann signalisierst du deinem Körper „keine Gefahr“ und somit kannst du eher entspannen. Und dann sind da noch die Phytozine, die Pflanzenstoffe in der Luft, die uns so guttun sollen. Energie tanken pur!

  • Verbindung mit der Natur

Um uns herum sind Asphalt, Kunststoff und Beton, wir schlafen in Betten, tragen Kleidung und besitzen viele technologische Errungenschaften und manchmal fehlt uns einfach diese Verbindung zur Natur. Das gönnen wir uns dann vielleicht in einem Urlaub. Aber, warum so lange warten? Diese Lebendigkeit und das Aktivieren all unserer Sinne können wir sofort haben. Denke an die 1.000 Bäume, die uns pro Einwohner zur Verfügung stehen 🙂 Wahrscheinlich hast auch du ein kleines Waldstück oder einen Park in der Nähe.

Es liegt sozusagen in unseren Genen, diese Verbindung zur Natur spüren zu wollen. Da kommen wir her, das ist unsere Heimat. Ab und an möchten wir uns daran erinnern und uns so beruhigen und in Sicherheit wähnen.

  • Ruhe und Entspannung

Gerade der Wald ist ideal für einen Rückzug in die Stille. Der gehetzte Großstädter findet dort etwas Abstand zu dem Lärm um ihn herum, um all die „britzelige“ Energie, die ihn tagtäglich umgibt.

Es ist erlaubt sich dort zu verstecken, auch mal an einen Baum anzulehnen und innezuhalten und das Alleinsein zu genießen. Erinnerst du dich noch an deine Kindheit? Ich habe das verstecken geliebt!

Der Wald hat etwas Geheimnisvolles und lockt mit Abenteuer. Und wenn es mal traurige Momente gibt, dann hält der Wald sie aus und es braucht keine Entschuldigung, warum man gerade so ist, wie man ist.

Wenn du Lust hast ein paar mehr Pros und Cons zum Waldbaden zu lesen, dann kann ich dir diesen Artikel von der Zeit empfehlen. Da findest du auch noch etwas wissenschaftlichen Hintergrund. Auch interessant, mit Schwerpunkt auf den gesundheitlichen Nutzen, ist dieser Artikel von Martin Auerswald https://schnelleinfachgesund.de/waldbaden/. Mir geht es, wie immer, um die eigene Erfahrung, ums spüren und eigene Erleben.

Bei einem Aufenthalt in einem Wald riechen, sehen, hören wir intensiver. Alle Sinne sind wach, zumindest, wenn du mit dir den Deal machst, das Handy während des Eintauchens abzuschalten. Anderenfalls könnte dir etwas entgehen. Sei dir deines Weges, den du gehst bewusst. Rieche den Duft der Jahreszeit, spüre das Wetter und höre den Wind in den Baumwipfeln oder die Geräusche der Tiere.

Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, aber ich möchte im Wald meist total gern etwas sammeln, also anfassen, berühren, näher zu mir bringen. Auch mal stehen bleiben an einem Ort, der mich interessiert. Es geht nicht darum, von A nach B zu gelangen. Ich habe da eher meinen sehr bewussten Schlendergang drauf. Mir geht es darum Verbindung zwischen mir und der Natur herzustellen. Ganz einzutauchen in diesen Moment, der sich gerade vor mir entfaltet.

Das gelingt übrigens sehr gut mit Achtsamkeit-Übungen wie ich sie z. B. auf meinen Nature Walks mache. Jetzt ist die Zeit für meine Walks zwar zu Ende, aber im Frühjahr geht es wieder weiter. Ich melde mich ab April nochmal dazu. Bis dahin sehen wir uns vielleicht drinnen? Bei einem Achtsamkeitstag oder in einer meiner regelmäßigen Meditationsgruppen?