Die Erzählkünste innerer Antreiber sind ziemlich ausgeprägt. Sie wollen uns gern weißmachen, dass die Welt genauso tickt, wie sie es uns zurufen.
Diese Antreiber gibt es nur in uns. Wir sind es, die ihnen Gehör schenken und uns durch sie so sehr in Aufregung versetzen lassen, dass es uns stresst.
Was sind innere Antreiber?
Innere Antreiber sind eine spezielle Gruppe in unserem inneren Team. Der Stressforscher Gert Kaluza beschreibt fünf klassische Typen, die du weiter unten kennenlernen wirst. Sie triggern unser Alarmsystem und gehören meist zu den lautesten Stimmen auf der inneren Bühne.
Ihr Markenzeichen: Sie äußern überhöhte Forderungen, die in keinem gesunden Verhältnis zur Realität stehen. Eine Art falsche Brille, die unsere Wahrnehmung verzerrt. Oft kommen sie mit absoluten Wörtern wie nie, immer, alles daher. Zum Beispiel: „Ich darf keine Fehler machen.“ oder: „Das ist nicht gut genug.“ Daraus wird manchmal auch ein: Ich bin nicht genug.
Wow, das klingt ganz schön streng, oder? Wir versuchen, die Forderungen, die wir an uns stellen, zu erfüllen, können es oft aber nicht. Das bringt uns gefühlt noch mehr in Lebensgefahr. Irgendwann einmal schienen sie hilfreich, um unser Überleben zu sichern. Aber sind sie das heute noch?
5 innere Antreiber erkennen
Denen bist du vielleicht auch in deinem System schon einmal begegnet oder erkennst sie, wenn du von ihnen liest. Es sind wahre Klassiker.
Sei perfekt!
Ein echter Quälgeist und Nörgler, der noch das letzte Haar in der Suppe findet. Dieser Anteil ist ständig von der Sorge begleitet, Fehler zu machen.
Sich darum zu bemühen, alles richtig machen zu wollen, kostet Energie. Overdelivery wird auf Dauer erschöpfend sein.
So kannst du ihm antworten:
„Ich bin gut genug mit dem was ich liefere.“
„Auch ich darf Fehler machen (so wie andere auch).“
„So gut wie möglich, so gut wie nötig.“

Sei beliebt!
Hauptsache, die anderen sind zufrieden mit dir. Sätze wie „Ich muss/will es allen recht machen.“ oder „Es ist wichtig, dass mich alle mögen“ führen dazu, dass wir Kompromisse eingehen wo wir es gar nicht wollen. Es wäre zu riskant, für die eigene Meinung einzustehen.
Das kann dazu führen, dass wir uns selbst verdrehen und Situationen vermeiden, in denen wir Kritik ausgesetzt sind. Doch Selbstverleugnung lässt uns den Kontakt zu unseren Bedürfnissen verlieren. Dabei ist deren Erfüllung wichtig für unser Wohlbefinden.
So kannst du ihm antworten:
„Heute/Jetzt/diese Stunde kümmere ich mich um mich selbst.“
„Meine Meinung zählt (so, wie die der anderen).“
„Ich darf nein sagen.“

Sei unabhängig!
Autonomie ist diesem Antreiber superwichtig. Sätze wie „Ich muss es allein machen“ oder „Ich darf keine Schwäche zeigen“ prägen das innere Empfinden. Hilfe annehmen? Kommt nicht infrage. Das kann ein Gefühl von Isolation entstehen lassen und langfristig auch von Verlorenheit. Dabei sind wir Menschen soziale Wesen, die tragfähige Beziehungen brauchen.
So kannst du ihm antworten:
„Es ist ok, um Hilfe zu bitten.“
„Schwächen sind menschlich.“
„Ich gebe anderen die Chance, mich zu unterstützen.“

Behalte Kontrolle!
Dieser Antreiber wittert überall Gefahr. Folgerichtig behält er am liebsten den Überblick in Situationen und hat den Hut auf. Auch dieser Antreiber macht gern Dinge selber, aber aus dem Streben nach Sicherheit, nicht nach Unabhängigkeit. Ein wichtiger Punkt. Wenn die Welt voller Gefahren und der Kopf voller Sorgen ist, lähmt uns das. Es ist eine Illusion, dass wir das Leben unter Kontrolle haben können. Das Gegenmittel lautet hier: Vertrauen.
So kannst du ihm antworten:
„Ich darf anderen vertrauen.“
„No risk, no fun.“
„Ich kann Entscheidungen korrigieren.“

Halte durch!
„Nur noch diese eine Sache.“, „Das bisschen noch, dann….“ oder „Ich mach´ das mal eben schnell.“
Solche Sätze klingen fast motivierend, oder? Doch wenn es die Hauptstrategie ist, die uns durchs Leben trägt, gönnen wir uns keine Verschnaufpause. Wir halten durch, auch wenn es angebracht wäre, sich zu erholen. Wir gehen einfach weiter, ohne uns zu reflektieren. Dabei zeigt uns der Körper bereits, was er braucht.
So kannst du ihm antworten:
„Mein Leben darf leicht sein.“
„Ich darf mich und meinen Körper spüren.“
„Das reicht jetzt. Punkt.“

Wie geht es dir gerade?
Hast du dich in einem oder mehreren dieser Antreiber wiedererkannt? Das ist gar nicht ungewöhnlich. Die meisten Menschen tragen mehrere davon in sich – mal lauter, mal leiser, je nach Situation.
Der erste wichtige Schritt ist, sie überhaupt zu bemerken. Nicht um sie zu bekämpfen, sondern um sie zu verstehen. Denn innere Antreiber haben ursprünglich einen guten Grund gehabt, zu existieren. Sie wollten uns schützen und helfen. Nur tun sie das mit Methoden, die uns heute mehr kosten als nützen.
Innere Antreiber im Blick haben
Wenn du gleich loslegen möchtest deine inneren Antreiber zu erforschen, beginne mit der Beobachtung deines Alltags am besten sofort.
Wenn du das nächste Mal unter Druck gerätst, stelle dir diese Frage: Welcher Antreiber spricht hier gerade? und danach sage zu dir selbst: „Ja, dich kenne ich gut. Heute mache ich es aber mal anders.“
Allein dieses kurze Innehalten schafft Distanz und damit die Möglichkeit zu wählen, wie du reagieren willst. Probiere es aus und wenn du magst, schreibe mir von deinen Erfahrungen: .
Wie geht es weiter?
Im dritten und letzten Teil dieser Reihe schauen wir uns an, welche inneren Helfer uns zur Verfügung stehen und wie wir die Beziehung zu unserem inneren Team gesünder gestalten können.
Bleibst du dran?
Danke an Lutz Herkenrath, der mir die Grafiken auf dieser Seite freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.