Achtsamkeit verloren?

Hilfe, ich habe meine Achtsamkeit verloren!

Neulich sitze ich im Restaurant und genieße meinen Mittagstisch (ich hatte mich extra ein wenig abseits gesetzt, um Ruhe zu haben), als eine ziemlich durchdringende Stimme an mein Ohr klingt. Kennst du das? Du sitzt da ganz entspannt an deinem Tisch, vielleicht schon ein lecker Essen vor dir und aus dem ganzen Gemurmel im Restaurant sticht genau eine Stimme ziemlich laut heraus, mit einem leicht aufdringlichen Ton und deine Ohren hören da immer wieder hin.

Dies war so eine Situation. Ich gehe übrigens höchst selten außerhalb essen. Ich wollte wirklich meine Zeit genießen. Aber wahrscheinlich war es wichtiger für mich, dass ich dieses neue Wort lerne:

Magerwiesen-Margerite 🌼🌼🌼🌼

Ich glaube, die Frau hat das in fast jedem Satz gesagt. Und wenn nicht dieses Wort, dann sprach sie vom Magerwiesen-Margeriten-Käfer und anderen Insekten-Arten, die dort leben und andere Larven fressen usw. Ein ganzes Biotop entstand so in meinem Kopf.

Ich habe dann tatsächlich angefangen mitzuzählen und bin auf 14 Mal gekommen. So oft hat sie dieses M-Wort gesagt – in 3 min! Jetzt ist es also auch in meinem Kopf gepflanzt.

Abgesehen davon, dass ich mein Essen nicht mehr richtig geschmeckt habe, weil ich extrem abgelenkt war, habe ich viele Informationen über Wiesen-Biotope erhalten. Was ich als Agraringenieurin super interessant finde, nur – ich hätte mir den Zeitpunkt für diese Informationen gern selber ausgesucht. Mein Kopf war nun voller Margeriten. Immerhin besser, als die anderen Gedanken, die sich zuvor in mir formierten: „Ist das rücksichtslos.“ „Die ist doch nicht allein im Restaurant.“ „Kann die nicht ein wenig leieser reden?“

Die beiden Damen sind in ihrem Gespräch dann über das Thema Schuhe bei der Entsorgung von Beton angekommen. Das scheint ein munteres Gespräch zu sein und ich musste darüber lächeln. An desem Punkt konnte ich wieder loslassen. Das Lächeln und eine sich ausbreitende Belustigung über meine Erwartungen, wie meine Mittagspause zu verlaufen hatte, haben mich diese neuen Umstände leicht akzeptieren lassen. Heute war es eben ein informatives, statt stilles Essen.

Ich bin anschließend wie auf einer Blumenwiese nach Hause spaziert.