Innenwelten – die inneren Helfer in unserem Team (Teil 3)

Sie sind immer für dich da – deine inneren Helfer. Die Stimmen in dir, die dich ermutigen, wenn eine Herausforderung bevorsteht und die dich trösten, wenn Dinge mal nicht so klappen, wie du es dir gewünscht hast.

Ich möchte mit diesem Blog den Dreiklang des inneren Teams abschließen. Zur Erinnerung: Im ersten Teil bin ich darauf eingegangen, was unsere Innenwelt mit Stress zu tun hat und im zweiten Teil habe ich auf die „Sondereinheit“ der inneren Antreiber im Team geschaut, die nochmal Öl ins Feuer gießen, obwohl wir schon auf Alarmstufe rot stehen.

Eine Bühne für unsere inneren Helfer

Jetzt im dritten Teil sollen unsere fürsorglichen Anteile eine Bühne bekommen. In einer Zeit, wo es immer hektischer zugeht, wo mehr Leistung und noch mehr Konsum so wichtig sind, damit das Rad sich weiterdreht, finden sie weniger Gehör. Dabei können sie uns innerlich auffangen, so dass wir sanft landen.

Sie sagen uns: „Du bist ok, auch wenn du gerade bescheuert gehandelt hast.“ Sie sorgen für Anerkennung, auf die wir im Außen manchmal vergeblich warten, weil das in der Arbeitswelt zwischen all den Projekten und Meetings untergeht oder wir es schlicht nicht gelernt haben sie zu geben.

Der vergessene Schlüssel und meine Unterstützerin

Als ich einmal meinen Schlüssel zum Seminarraum vergessen habe, kam ich ziemlich in Stress. Ich habe meinen Rucksack mehrmals durchgewühlt und wurde immer aufgeregter. Typische Stressreaktionen wie Wärme, Schwitzen und eben auch meine inneren Antreiber waren zu spüren.

Aber dann erinnerte ich mich zu atmen und mich kurz zu sammeln (wie gut, dass ich meine Tipps auch selber anwende 😊).

Das war der Moment, wo meine innere Stimme, ich nenne sie „Die Souveräne“, ins Spiel kam. Sie war da, um zu helfen. Sie nutzte diesen Moment, um sich Gehör zu verschaffen – großartig.

Dieser Anteil von mir WUSSTE, dass ich die Situation handhaben kann. Wenn nicht allein, dann mit der Hilfe von anderen. „Keep calm“ und „Das bekommst du schon hin.“ waren gute Erinnerungssätze für mich. Ich hörte auf zu suchen und wurde mir schnell bewusst, dass der Schlüssel unerreichbar im Hotel lag. Ich erinnerte mich, dass es eine Telefonnummer für den Notfall gab. Der war jetzt eingetreten und von dort kam der Ersatzschlüssel. Die Situation war gelöst.

Nun kann ich mich die ganze Zeit über dieses Ereignis grämen und mit mir böse sein. Aber wir Menschen sind nicht perfekt, auch ich nicht. Eine freundliche Stimme in mir hilft mir über Scham und Schuld hinwegzukommen, indem sie relativiert und tröstet. Mir sagt, dass ich Fehler machen darf und trotzdem nicht in Gefahr bin. Ich nehme es nicht mehr so persönlich.

Vielleicht kennst du das auch: Eine Stimme, die genau im richtigen Moment da war und dich durch eine schwierige Situation getragen hat. Welche Situationen fallen dir ein, in denen so ein innerer Helfer aufgetaucht ist? Oder hast du schon eine Ahnung, wer bei dir zum inneren Team gehört?

Hilfreiche innere Anteile und ihre Stimmen

Hier eine kleine Auswahl an Stimmen, die mir und vielen meiner Klient:innen begegnet sind.

Die Gesundheitsexpertin

Sie erinnert dich an das, was dir guttut, bevor der Körper es einfordert. Sie meldet sich nicht mit Verboten, sondern mit Fürsorge.
Beispielsituation: Du sitzt am dritten Abend in Folge spät am Laptop, obwohl du müde bist.
Beispielsätze: „Du brauchst jetzt Schlaf, nicht noch eine Runde.“ „Steh kurz auf und trink etwas Wasser.“

Der Mitfühlende

Er tröstet, ohne zu bagatellisieren. Er hält aus, dass etwas schwer ist, ohne sofort eine Lösung zu verlangen.
Beispielsituation: Ein Projekt ist gescheitert, du machst dir Vorwürfe.
Beispielsätze: „Das tut jetzt weh, das darf so sein.“ „Du hast dein Bestes gegeben, mit dem, was du wusstest.“

Die Souveräne

Sie behält den Überblick, wenn Gedanken sich im Kreis drehen. Sie sortiert, statt zu bewerten.
Beispielsituation: Du hast einen Schlüssel oder etwas anderes vergessen.
Beispielsätze: „Keep calm“, „Was ist gerade wirklich dran?“ „Eins nach dem anderen.“

Die Beschützerin

Sie zieht Grenzen, wenn andere zu viel wollen und auch nach innen, gegenüber den eigenen Antreibern.
Beispielsituation: Ein Kollege bittet kurz vor Feierabend um noch eine Aufgabe „für zwischendurch“.
Beispielsätze: „Das geht heute nicht mehr.“ „Deine Grenze zählt genauso wie seine Bitte.“

Der Humorvolle

Er nimmt Druck raus, wenn alles zu ernst wird. Kein Weglachen von Problemen, sondern eine Portion Leichtigkeit.
Beispielsituation: Ein peinliches Missgeschick im Seminar oder Meeting.
Beispielsätze: „Das wird eine gute Geschichte.“ „Auch das gehört zum Menschsein dazu.“

Wie findest du deine eigenen Helfer?

Du brauchst keine fertige Liste, um mit deinem inneren Team zu arbeiten. Es gibt verschiedene Wege, deine Helfer aufzuspüren, wenn du deine Beobachtungsgabe schärfst.

Der erste führt über den Rückblick. Denk an eine Situation, die du gut gemeistert hast, obwohl es eng wurde. Was hat dir damals geholfen, weiterzumachen oder dich zu beruhigen? War es ein Satz, ein Gedanke, ein Gefühl von „Das schaffst du“. Diese innere Stimme war schon da, vielleicht hast du ihr nur noch keinen Namen gegeben.

Der zweite Weg funktioniert auch mitten im stressigen Moment. Halte kurz inne und frag dich: Was brauche ich jetzt gerade? Vielleicht ist es Trost, vielleicht eine klare Ansage, vielleicht ein Lachen über die Situation. Die Antwort zeigt dir, welcher Anteil gerade gebraucht wird, und oft reicht es schon, ihn dir bewusst vorzustellen, damit er sich meldet.

Probiere es aus: Gib deinem Helfer/deiner Helferin einen Namen, so wie ich meiner Souveränen. Das macht dieses Teammitglied greifbarer und du erkennst es beim nächsten Mal schneller wieder.

Wenn du magst, schreibe mir wo deine inneren Helfer:innen dir geholfen haben und ob du ihnen einen Namen gegeben hast: .

Drei Einblicke in dein inneres Team

Mit diesem Blog schließt sich der Kreis der Innenwelten-Trilogie. Im ersten Teil ging es um Stress und was er mit unserer Innenwelt macht, im zweiten um die inneren Antreiber, die in stressigen Momenten noch zusätzlich Druck aufbauen, und jetzt um die Stimmen, die uns auffangen und stärken.

Alle drei gehören zu dir. Kein Anteil ist per se schlecht, jeder hat eine Funktion. Die Kunst liegt darin, sie zu kennen und je nach Situation die richtige Mannschaftsaufstellung zu wählen, gerade dann, wenn es herausfordernd wird.

Wenn du dein inneres Team noch nicht gut kennst oder merkst, dass meist dieselben (nicht immer hilfreichen) Stimmen das Sagen haben, lohnt sich ein genauerer Blick.

Wenn du neugierig geworden bist, lass uns in einem Kontaktgespräch gemeinsam schauen, wer bei dir mitspricht und für welche Situationen du dein Team besser aufstellen möchtest, damit du auch in schwierigen Momenten stabil bleibst.