Achtsamkeit statt Work-Life-Blending

Bei mir vermischen sich zunehmend Arbeitszeit und Freizeit miteinander. Geht dir das auch so?

Die Erreichbarkeit nach Feierabend ist eigentlich Standard und für Selbstständige ist es sowieso klar, dass sie auch abends oder am Wochenende noch die Büroarbeit erledigen, die sie tagsüber nicht geschafft haben. Die Digitalisierung tut ihr Übriges und wir sind zu jeder Zeit selbstverständlich ansprechbar. Moment mal! Das tut uns nicht wirklich gut.

Ich glaube, wenn wir auf Pausen verzichten, dann wird uns das langfristig wenig nützlich sein. Nach Phasen des Tuns, der Aktivität und vielleicht auch der Anstrengung, ist Erholung notwendig. Oder hast du schon mal von einem Marathon-Läufer gehört, der direkt nach dem letzten Finish in den nächsten Lauf startet? Er wird sich wohl eher eine Erholungsphase gönnen, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder seine Leistung abrufen zu können. Die kann dann sogar noch besser sein.

Pausen schaffen

Schaffe dir ehrliche Pausen, in denen du dich erholen kannst. Was ich damit meine? Eine Pause ist eine Pause ist eine Pause. Da wird nicht zwischendurch schnell mal etwas gecheckt oder bereits Pläne für die kommenden Tage gemacht oder noch einer alten Geschichte nachgehangen.

Für unser Gehirn ist es super wohltuend einfach mal zu baumeln und sich mit nichts beschäftigen zu müssen. Lege dein Gehirn in eine Hängematte (zumindest virtuell) und sage ihm ganz deutlich, dass es sich jetzt entspannen darf. Manchmal braucht es eine extra Erlaubnis 😉 Wahrscheinlich wird es dich doch wieder mit Gedanken ablenken. Das ist völlig ok, denn dafür ist dieses Organ ja auch angelegt. Nur, du musst da nicht mitmachen. Kehre immer wieder zurück in die Hängematte und lass die Gedanken einfach weiterziehen. Du erkennst sie und sagst vielleicht nochmal „Hallo Gedanke, ich sehe dich.“, aber das ist auch schon alles. Diese Übung geht übrigens auch mal kurz zwischendurch.

 

Übergänge wahrnehmen

Wenn du von der Arbeit nach Hause kommst, die Hausarbeit beendet ist oder du dein Homeoffice schließt, dann mache deine „Arbeits-Tür“ zu und öffne bewusst die „Freizeit-Tür“. Sei neugierig, was sich heute dahinter verbirgt. Nimm erst einmal dich wahr, wie du nach diesem Tag drauf bist. Was gibt dir dein Körper für Signale? Bist du müde oder erschöpft? Möchtest du dich gern sportlich betätigen, weil deine Energie erst einmal raus muss? Wünschst du dir Austausch mit anderen Menschen oder Ruhe? Egal, was geplant ist, hör´ auf dich. Meist reichen schon ein paar bewusste Schritte vom Auto zur Haustür oder ein paar Atemzüge, um dich mit deinen Bedürfnissen in Kontakt zu bringen. Schalte von „ ich muss“ auf „ich möchte“ um.

Ich nehme sehr bewusst Platz in meinem Home-Office, in den Räumen, in denen meine Kurse stattfinden oder in der Natur, wo ich meine Outdoor-Workshops gebe. Ich begrüße damit sozusagen diese Tageseinheit. Ich versuche mir ausreichend Zeit für das Ankommen zu schenken. Das lässt mich präsenter werden für die anstehende Arbeit.

Genauso verbschiede ich mich vom Schreibtisch oder einem anderen Arbeitsplatz. Alles ist jetzt ausgeschaltet und ich bleibe noch eine Minute einfach da und atme aus. Damit lasse ich das „Tagesrauschen“ bewusst abfließen. Diese kleinen Rituale helfen mir ungemein, weil sie mir bei der Trennung von Arbeit und Freizeit helfen.

Wenn wir in unserem Autopiloten unterwegs sind, fallen uns diese kleinen Rituale, wie „Pausen schaffen“ und „Übergänge wahrnehmen“ schwer. Im Modus der Achtsamkeit werden wir uns bewusster über unsere Wünsche und Muster, die uns so durchs Leben treiben und wir können ändern, was uns nicht gut tut. Hast du vielleicht auch bereits Rituale, die du machst?

Ein Achtsamkeits-Workshop, ein MBSR-Kurs oder ein Coaching können schon zahlreiche Impulse in Richtung mehr Bewusstsein setzen.