Vergangenheit-Jetzt-Zukunft

Was war, was ist und was sein darf

Die meisten von uns Menschen benutzen den Übergang von einem Jahr zum anderen für eine Neujustierung. Falls jetzt die Sorge auftaucht, dass auch dieser Blog von Vorschlägen für gute Vorsätzen und Ähnlichem handelt, der sei beruhigt, das tut er nicht. Lies also gern weiter.

Der Abschied vom alten Jahr und das Begrüßen des neuen Jahres ist meist verbunden mit dem Loslassen vom Alten und dem Fassen neuer Vorsätze. Wir machen dafür Rituale und fertigen Visionboards und tun andere Dinge mehr. Dies ist für viele ein sehr bewusster Moment. Wir möchten aktiv etwas verändern und bekunden es auf unsere eigene Art und Weise.

 

Veränderung findet jeden Moment statt.

Dafür müssen wir gar nichts tun. Unser Körper wird jeden Moment älter und damit auch jede einzelne Zelle in unserem Körper. Kein Atemzug gleicht dem anderen. Und jede von uns kennt bestimmt diese Zeitrafferaufnahmen, in denen Pflanzenwachstum so großartig zu sehen ist. Das Leben verändert sich also sowieso. Wir beachten es nur nicht so sehr, weil es vielleicht noch nicht das ist, was wir wollen. Das Leben lebt sich halt. Das entspricht seiner Natur.

 

Warum vollziehen die meisten von uns den Jahreswechsel bewusster als andere Augenblicke?

Vielleicht, weil es hier einen Abschluss und einen Neubeginn gibt, den unser logisches Denken super nachvollziehen kann. Wir hören mit dem 31.12. auf und beginnen dann wieder neu zu zählen mit dem 1.1.
Hmmm, das eröffnet jetzt ja ziemlich viele Möglichkeiten. Wir könnten zum Beispiel am Ende jeden Monats das Alte verabschieden und den Neubeginn feiern. Oder bei jedem Tag/Nacht-Wechsel oder jede Stunde oder jede Minute. Machen wir aber nicht.

 

Was also ist es, das gerade den Jahreswechsel so anziehend für Veränderungen macht?

Ich stelle mal ein paar Vermutungen an.

  1. Es geht um Kontrolle

Wir setzen unsere Absichten und fassen unsere Vorsätze für eine bestimmte Art von Veränderung. Wir möchten unserem Leben eine bestimmte Richtung geben. Dazu kommt der Aspekt von: je konkreter, desto besser, denn nur dann geschehen die Dinge auch wirklich in unser Leben. Oder eine andere Sichtweise, die gern Im Projektmanagement genutzt wird, es ist ein SMART-Ziel, also messbar.

Das Leben ist aber nicht immer smart und für mich schon gar kein Projekt. Es zu kontrollieren ist wahnsinnig anstrengend. Wir wissen ja nicht einmal, was im nächsten Moment passiert. Wie wollen wir dann das ganze nächste Jahr planen?

Was hilft? Bei all der Planung auch Momente von Loslassen einbauen und das Leben sich entfalten lassen.

 

  1. Es geht um Selbstoptimierung

Der Begriff ist vielleicht etwas technisch, aber er trägt für mich einen Funken Wahrheit. Meist lassen wir etwas im alten Jahr zurück, was uns nicht so gefällt und wünschen uns mehr von dem, was wir meinen, was uns noch fehlt zum glücklich sein. Wie oft habe ich bei diesem Jahreswechsel gehört und gelesen, dass das nächste Jahr doch besser werden möge. Allerdings – wenn das letzte Jahr gut lief, dann darf es natürlich so weitergehen. Beide Denkweisen binden uns.

Was hilft? Wie wäre es, wenn wir uns Momente schaffen, in denen wir nicht mehr von dem Angenehmen erzwingen wollen und auch das Unangenehme nicht wegdrängen? Wir dürfen so sein, wie wir sind. Mit allen Empfindungen, die da sind. Es gibt nichts zu reparieren, weil alle Aspekte zu unserem Wesen gehören.

 

  1. Der Zeitraum ist groß genug, um nicht sofort starten zu müssen

Zugegeben, das ist provokant. Aber 365 Tage sind ein ziemlich langer Zeitraum, in denen wir die Chance haben, Veränderung einzuläuten. Ein Augenblick ist meist sehr flüchtig und zerrinnt uns zwischen den Fingern. Ok, bei manchen tut das auch ein Jahr. Am Ende gucken man sich um und wundern sich, wie schnell es vorbei gegangen ist. Wenn es also nicht gleich im Januar mit einer Verhaltensumstellung klappt, dann haben wir ja noch bis Dezember, um das zu tun, oder? Nur je größer der Zeitraum, desto mehr holt uns der Alltag ein und lässt uns unsere Vorhaben vergessen. Schwups, das Jahr ist wieder um.

Was hilft? Wie wäre es, wenn wir keine Zeitspanne als zu gering erachten, um eine Veränderung einzuläuten? Wenn wir uns frei  machen von einem Datum oder einem Ereignis? Wir können jeden Moment die Gelegenheit nutzen, um bewusster zu werden, was gerade passiert. Wenn wir die aneinander reihen, haben wir nach einem gewissen Zeitraum eine ganze Menge bewusster Augenblicke erlebt. Das ist der erste Schritt für Veränderungen.

 

Vielleicht findest du dich in einer meiner drei Vermutungen wieder. Vielleicht bist du aber auch empört, weil du findest, dass es so einfach ja nun auch wieder nicht ist. Also das mit dem Leben, dem Universum und den ganzen Wünschen.

Keiner hat gesagt, dass das Leben einfach sein muss. Aber es darf leicht sein und wir dürfen dabei glücklich sein. Dafür gehört für mich vor allem das Bewusstsein, dass ich lebe. Mit allem Drum und Dran.

 

Wie gehe ich mit Veränderung um?

Diese Frage lässt sich für mich nicht einfach mit guten Jahresvorsätzen beantworten. Für mich gehört dazu Veränderungen jeden Tag und jeden Moment aufs Neue zu begegnen. Guten wie schlechten, schönen und weniger schönen Momenten. Wissend, sie hören auch wieder auf. Das liegt in ihrer Natur. Wobei gut/schlecht und schön/weniger schön, so oder so nur unsere Bewertungen sind.

Wir können unsere Gedanken dazu beobachten. All die verschiedenen inneren Stimmen, die sich zu Wort melden, wenn etwas anders läuft als geplant. Die, die das Geschehen kommentieren, ohne unbedingt einen Beitrag zu leisten.

Aus den Gedanken entstehen dann Gefühlstönungen, die schnell mal zu starken Emotionen werden, diese spülen uns dann weg aus dem gegenwärtigen Moment, wo das Leben stattfindet. Warum sollten wir dem folgen? Warum sollten wir uns nicht lieber dem Fluss des Lebens anvertrauen? Nehmen wir, was uns angeboten wird und lassen wir die Anstrengung, es zu kontrollieren oder anders haben zu wollen, sein. Oft reicht, meiner Erfahrung nach, unsere Vorstellung gar nicht aus, wie das Leben dann liefert.

 

Und nun doch noch ein Rückblick.

Im letzten Jahr hatte ich viele Herausforderungen. Die waren zu Beginn des Jahres sicher nicht in meiner Vorstellung. Ich habe daraus viel gelernt. Viele Dinge durfte ich zum Beispiel das erste Mal machen. Manche habe ich wiederholt, auf andere kann ich gut verzichten. Aber ohne Mut zur Veränderung und ein „Ja, ok. Dann mache ich das jetzt, auch wenn es anders kommt, als gedacht.“, hätte ich diese Erfahrungen nicht machen können. Ich wäre auch vielen Menschen nicht begegnet, die ich als sehr bereichernd erlebe.

Wie wäre es also, wenn wir uns etwas mehr dem Leben hingeben und es fließen lassen?

 

Einige hilfreiche Fragen für den täglichen Gebrauch:

Wofür verwende ich heute meine Lebensenergie?

Womit verbringe ich die meiste Zeit?

Wie nutze ich meine Gedanken, meine Vorstellungsgabe und meine Ausdruckskraft in Wort und Tat?

Ich spreche nicht gegen Rituale zum Jahreswechsel, sondern dafür, dass wir uns unserer Wünsche, Ideen und Visionen in jedem gegenwärtigen Moment bewusst sind. Dazu eine Prise Offenheit und Neugier, wenn sich das Leben in seinem Sinne entfaltet.

Wenn ich Dich dabei unterstützen kann, dann schaue doch mal auf meine Coaching-Angebote.