Achtsamkeit und Stabilität

Angst, Hilflosigkeit und Unsicherheit – wie Achtsamkeit uns stabilisiert

Wie Achtsamkeit uns stabilisiert. Um die Eigenschaft von Stabilität in mir hervorzurufen, meditiere ich manchmal mit dem Bild eines Baumes vor meinem inneren Auge. Abgefahren? Eso? Weit gefehlt!

Ein Baum steht für mich für eine tiefe Stabilität. Ich finde es faszinierend, wie er weit in die Luft ragt mit seiner prachtvollen Krone und ihn seine Wurzeln in der Erde stabilisieren. Dafür gehe ich auch gern in die Natur und schaue mir meinen Lieblingsbaum live an. Das geht aber eben nicht immer, also habe ich ein Bild mit dem ich meditiere. Gerade in unsicheren Zeiten, wo viele Ängste und Sorgen in uns auftauchen, wo wir uns vielleicht hilflos fühlen, ist ein inneres Bild mit dem wir uns verbinden können, sehr hilfreich.

Neben der Stabilität finde ich in einem Baum auch Flexibilität. Eine gewisse Anpassungsfähigkeit an den Wind, an das Wetter um ihn herum im Allgemeinen. Er stemmt sich nicht dagegen, sondern bis zu einem gewissen Maße schwingt er mit. Nutzt seine Energie für sich, statt alle Kraft dem Widerstand gegen den Wind zu widmen.

Wenn wir Achtsamkeit praktizieren, dann erlauben wir uns, mit jedem Wetter des Lebens zu sein, mit Sonnenschein ebenso wie mit Sturm, Blitz und Donner. Auch Gefühle zeigen eine gewisse Wetterlage in uns. Wir können dann gegen sie ankämpfen oder ihnen erlauben, da zu sein. Nun möchte eigentlich kaum jemand in Wut oder ängstlich sein oder sich der eigenen Hilflosigkeit und Unsicherheit stellen. Unser Geist rebelliert dagegen und tut so ziemlich alles, um davon wegzukommen.

Gern genommene Taktiken sind:

  • Bagatellisieren (“Ist schon nicht so schlimm.”)
  • Verdrängen (“Wie, iiiich? Nein, ich fühle mich nicht unsicher.”)
  • sich selbst beschimpfen, dass das Gefühl gerade so ist, wie es ist (“Na, das hat mir jetzt gerade noch gefehlt. Jetzt heule ich gleich auch noch.”)
  • Vergleichen (“Warum macht mir das so viel aus? Andere lassen sich davon doch auch nicht unterkriegen.”)

Diese Strategien lassen uns meist noch schlechter fühlen.

 

Was also hilft?

Gefühle sind zum Fühlen da. Wir können diesen so menschlichen Phänomenen, die wir ja selber erzeugen, mit Freundlichkeit begegnen. Dem Angenehmen übrigens ebenso wie dem Unangenehmen. Bei Letzterem fällt es uns nur ungleich schwerer. Wenn wir jedoch akzeptieren, dass alle Gefühle zu uns gehören, mehr noch, uns als Mensch ausmachen, dann stellt sich ein innerer Frieden ein. Wir müssen nicht mehr kämpfen.

Das Fühlen äußert sich in unserem Körper. Das können wir bemerken. Wir sind dann nicht mehr dieses starke Gefühl, dass uns davon schwimmen lässt, sondern wir sitzen stabil in diesem Moment und beobachten. Gerade darf alles so sein, wie es ist. Das Leichte, wie das Schwere.

So ein Baum, der steht für mich auch sehr friedvoll auf seinem Platz. Er hat einen Standpunkt, von dem aus er alles überblicken kann. Was, wenn wir auch so einen Standpunkt einnehmen, von dem aus wir diese Gefühle beobachten, statt sie zu verdrängen oder uns darin auflösen? Wie friedlich könnte es in uns sein.

Eine Möglichkeit, diesen inneren Frieden zu erfahren, ist die Meditation. Vielleicht nicht gleich beim ersten Mal (obwohl – alles ist möglich), aber mit der Zeit werden wir immer friedvoller und freundlicher mit uns. Wir werden zum Beobachter unserer Gedanken und Gefühle und lehnen immer weniger davon ab. Wir bemerken, dass wir nicht die Realität erleben, sondern alles geprägt ist von unseren Vorlieben und Abneigungen und von anderen Filtern. Das entspannt ungemein. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Achtsamkeit uns stabilisiert und uns ermöglicht auch die ganz großen Gefühle bewusst zu durchleben.

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