Was hilft bei starken Gefühlen; Metta; Achtsamkeit; Gefühle leben

Was hilft bei starken Gefühlen?

Vor ein paar Jahren, auf einem Metta-Retreat, hatte ich unfreiwillig die Gelegenheit meine „Sitzkissen-Praxis“ gleich im Alltag anzuwenden. (Anm.: Metta ist die Praxis der liebenden Güte, Retreat ist so etwas wie ein Rückzug aus der gewohnten Umgebung). Und wer kennt das nicht, wenn starke Gefühle erst einmal am rollen sind, fällt es schwer, sie zu stoppen. Doch kann es gelingen.

Starke Gefühle im Alltag

Eines Nachts bin ich aus meiner Tiefschlafphase gerissen worden. Irgendein brummender, wabernder Lärm drang zu mir durch. Ich dachte zunächst, ich bin in einem Traum. Aber nein, vor meinem Appartement rangierte ein Lkw!

Ich war noch schlaftrunken, als ich realisierte, was da direkt vor meiner Tür meines Zimmers passierte. Ich war gleichzeitig erschrocken, erstaunt und empört. Der Lkw parkte mit laufendem Motor im Innenhof des alten Schlosses. Zwischen den alten Gemäuern hallt es übrigens besonders schön. Dann beobachtete ich, wie er anfing, die Ladeklappe zu öffnen und auszuladen. Unglaublich! Mitten in der Nacht!

„Nun gut“, sagte ich mir, „das hört bestimmt bald auf“ und ging wieder zu Bett. Aber nichts da, es wurde 30 Minuten lang Ware ausgeladen, Türen geschlagen und gerattert. Das reichte mir, um richtig wach und vor allem ärgerlich zu werden.

Metta praktizieren

Also dachte ich mir, dass ich ja in einem Metta-Retreat bin und gleich meine Praxis anwenden könnte. Gedacht getan. Ich versuchte Metta zu praktizieren und mein Herz zu öffnen. „Das sind sicher Lebensmittel für ein leckeres Essen morgen.“ „Bestimmt hatte er im Stau gesteckt und konnte nicht früher kommen.“ „Mögest du eine gute und sichere Heimfahrt haben.“ Aber es fühlte sich falsch an. Mein Herz blieb verschlossen und von liebender Güte war wenig zu spüren. Ich war noch zu sehr im Strudel meiner Gefühle gefangen.

Dankbarkeitsübungen machen

Was hatte ich noch im Repertoire? Dankbarkeit! Ja, das wars. So versuchte ich innerlich folgende Gedanken zu denken und in mir ein Gefühl der von Dankbarkeit zu erzeugen: „Toll, dass der Lkw-Fahrer jetzt noch für uns arbeitet.“ und „Danke, dass sich die Angestellten des Seminarhauses so um unser Wohlergehen kümmern.“, „Danke, dass ich hier so umsorgt werde.“ Nee, das half auch nicht wirklich. Der Ärger blieb und war eigentlich eher ein Ausdruck meiner Hilflosigkeit, wünschte ich mir doch so sehr Ruhe und Schlaf.

Was tun bei starken Gefühlen?

Nichts. Das hört sich wie eine Kapitulation an? Nennen wir es Akzeptanz. Ich hörte auf, im Widerstand zu sein. Den Lkw konnte ich nicht wegschieben. Die Situation, von der ich nicht wusste, wie lange sie anhält, konnte ich nicht ändern. Aber ich wusste, dass sie sich mal ändern wird, denn alle Dinge ändern sich, nichts ist für immer. Ärger und Hilflosigkeit sind starke Gefühle und die waren jetzt total präsent und ließen sich auch nicht wegschieben. Die Nachtruhe war dahin. Mein Körper war angespannt.

So, jetzt ist es mal wieder Zeit in Bewegung zu kommen, wenn du am Ende dieses Blogs bist. Strecke und recke dich, gehe ein paar Schritte, hole drei tiefe Atemzüge und lächle dir selbst zu.

Was mir in dieser Situation geholfen hat

Erst einmal habe ich die angestaute Energie rausgelassen. Ich war allein in meinem Zimmer und so gönnte ich mir ein derbes „Sch…e“. Starke Gefühle sind keine Kleinigkeiten. Sie sind kraftvolle Energien, die sich nicht immer so einfach wegatmen lassen. Wahrscheinlich hätte es aber auch ein kräftiges Ausatmen oder wildes Schütteln für mich getan. 😉

Danach setzte ich mich auf mein Bett und praktizierte bewusstes Atmen. Ich lenkte meine Aufmerksamkeit immer wieder zu meinem Atemfluss und beobachtete einfach sein Kommen und Gehen. Du kannst dir wohl denken, dass ich zu Beginn viele Male abgeschweift bin.

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Sorgenvolle Gedanken helfen übrigens nicht weiter

Natürlich wollten sich Sorgen breitmachen, ob ich wieder einschlafen konnte, ob ich morgen ausgeschlafen sein würde und wie ich den Tag mit wenig Schlaf und bei 37° Grad durchstehen würde. Ich machte also schon jetzt ein Szenario auf für etwas, wovon ich nicht wusste, ob es eintreten würde. Nicht gerade beruhigend. Aber diese Gedanken konnte ich gut unterbrechen mit der Übung „Beruhigender Atemrhythmus“.

Langsam legte sich meine ganze Aufregung und ich konnte wirklich im Körper fühlen, dass ich nicht in Gefahr war. „Was soll denn sein?“ ist in solchen Fällen eine gute Frage, finde ich. Mein Körper entspannte sich, die Gedanken wurden ruhiger und der Atem gleichmäßiger und weicher.

Nach einer halben Stunde war der nächtliche Spuk vorbei. Nichts ist eben beständig.

Mitgefühl ist freiwillig

Nach einiger Zeit des achtsamen Atmens stieg Mitgefühl in mir auf. Es entstand ganz ohne Druck in mir. Nun konnte ich mir selbst gute Wünsche zusprechen und vor allem sie auch empfangen. „Möge ich erholsamen Schlaf haben.“ „Möge ich sicher und beschützt sein.“ Dadurch beruhigte sich mein Nervensystem immer mehr und ich wurde nicht nur friedlicher innerlich, sondern auch freundlicher.

Zunächst zu mir selbst, dann konnte ich auch dem Lkw-Fahrer und den Angestellten des Seminarhauses freundliche Wünsche schicken. Jetzt stimmte plötzlich das, was sich zuvor falsch angefühlt hatte. „Mögest du eine sichere Heimreise haben.“ „Möget ihr ausreichend Schlaf finden.“

Das Ende einer starken Gefühlswelle

Wenn du merkst, dass Metta ein zu großer Schritt bei einem starken Gefühl ist, dann hilft immer noch die Achtsamkeitspraxis. Beobachte, was gerade geschieht und bleibe mit dir im Kontakt. Bemerke, dass es dir gerade schwerfällt freundlich mit dir und deinem Umfeld zu sein. Es gibt solche Momente. Gefühle erlangen oft deswegen eine so große Bedeutung, weil wir sie bewerten. Sie stören uns und wir meinen, wir dürfen sie nicht zeigen (zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt oder in dieser Rolle).

Für mich sind es Energien mit einem Namen. Und je weniger Widerstand ich leiste, desto eher ist diese Welle durch mich hindurchgegangen und fertig. Später kann ich mich dann mit dem Wieso, weshalb und warum auseinandersetzen. Erst einmal habe ich mir Erste Hilfe zu leisten.

Da ich in einem Schweigeretreat war, weiß ich bis heute nicht den Grund, warum der Lkw zu dieser Uhrzeit angeliefert hatte. Es ist auch egal. Das nächtliche Ereignis ist nur eine mögliche Eingangstür gewesen. Ich hatte noch zwei erkenntnisreiche Wochen und Gelegenheit, meinen Gefühlen von Ärger und Hilflosigkeit auf die Spur zu kommen und gut für mich zu sorgen. Ach ja, und dass Essen war ganz hervorragend dort. 😉

Wenn du bestimmte Gefühle in unterschiedlichen Situationen immer wieder vorgelegt bekommst, kann es an der Zeit sein, deine Geschenke einmal auszupacken. Es sind Angebote, sich von diesen starken Gefühlen zu lösen. Man muss sie nicht für immer mit sich herumtragen.

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